Seit dem 1. Oktober 2022 ist die QR-Rechnung der einzige Einzahlungsschein in der Schweiz. Die meisten Betriebe haben sich daran gewöhnt. Im Hintergrund hat die SIX die nächste Anpassung umgesetzt: Mit der Implementation Guidelines Version 2.3, in Kraft seit dem 21. November 2025, dürfen QR-Rechnungen nur noch mit strukturierter Adresse (Typ S) erstellt werden. Wer aktuell noch eine QR-Rechnung mit kombinierter Adresse (Typ K) ausstellt, ist seit November 2025 nicht mehr regelkonform. Bis zum 30. September 2026 müssen Banken Zahlungen mit Typ K übergangsweise allerdings noch verarbeiten. Danach werden sie zurückgewiesen.
Die zwei wichtigen Daten
Wenn du nur zwei Stichtage merken willst, dann diese beiden:
- 21. November 2025: Stichtag für die Erstellung. Implementation Guidelines 2.3 in Kraft. Ab diesem Datum dürfen QR-Rechnungen nur noch mit strukturierter Adresse (Typ S) ausgestellt werden.
- 30. September 2026: Ende der Übergangsfrist für die Bezahlung. Bis dahin garantieren Schweizer Banken, dass Zahlungen mit Typ K noch verarbeitet werden. Danach lehnen sie ab.
Heisst konkret: Wenn du heute, im Mai 2026, immer noch QR-Rechnungen mit Typ K verschickst, bewegst du dich seit einem halben Jahr ausserhalb der SIX-Vorgaben. Deine Kunden können die Rechnungen aktuell zwar in den meisten Fällen noch bezahlen, aber nur weil die Banken übergangsweise tolerant sind. Spätestens Anfang Oktober 2026 ist Schluss.
Was ist der Unterschied zwischen Typ K und Typ S?
Die QR-Rechnung kennt zwei Adressformate für Zahlungsempfänger und Zahlungspflichtige. Das kombinierte Format (Typ K) fasst die Adresse in zwei freie Textfelder zusammen: Name plus Strasse in Zeile 1, PLZ plus Ort in Zeile 2. Das strukturierte Format (Typ S) trennt die Adressdaten sauber in einzelne Felder: Name, Strasse, Hausnummer, PLZ, Ort, Land.
Beispiel Typ K (kombiniert):
- Zeile 1: Müller Sanitär GmbH, Industriestrasse 42
- Zeile 2: 8005 Zürich
Beispiel Typ S (strukturiert):
- Name: Müller Sanitär GmbH
- Strasse: Industriestrasse
- Hausnummer: 42
- PLZ: 8005
- Ort: Zürich
- Land: CH
Für das menschliche Auge sieht beides gleich aus. Für die Maschine nicht. Strukturierte Daten lassen sich automatisch verarbeiten, validieren und international abgleichen. Die kombinierte Variante erlaubt Freitextfehler, die erst am Bankschalter oder in der E-Banking-App auffallen.
Warum die SIX Typ K abschafft
Die Abschaffung hat im Wesentlichen zwei Gründe, die in dieselbe Richtung zielen: Automatisierung und Fehlerreduktion.
Erstens: Banken können strukturierte Adressen maschinell validieren. Existiert die PLZ zum Ort? Gibt es die Strasse in dieser Gemeinde? Das funktioniert nur, wenn die Felder sauber getrennt sind. Bei Typ K steht manchmal die Hausnummer beim Ort oder die Strasse fehlt ganz.
Zweitens: Der internationale Zahlungsverkehr (ISO 20022) arbeitet ausschliesslich mit strukturierten Adressen. Die Schweiz zieht nach, um anschlussfähig zu bleiben.
Was passiert, wenn deine QR-Rechnung im E-Banking abgelehnt wird
Bis zum 30. September 2026 sollte das in den meisten Fällen nicht passieren, weil die Banken Typ K übergangsweise noch verarbeiten. Es kann aber bereits jetzt vorkommen, dass einzelne E-Banking-Apps Adressen bemängeln, weil PLZ und Ort nicht eindeutig getrennt sind. In diesem Fall hat dein Kunde drei Möglichkeiten:
- Er gibt die Adresse manuell ein. Erhöht das Fehlerrisiko und ist mühsam.
- Er ruft dich an, du erklärst, schickst eine korrigierte Rechnung. Frisst Zeit auf beiden Seiten.
- Er bezahlt nicht und meldet sich gar nicht. Das ist für dich die teuerste Variante.
Ab dem 1. Oktober 2026 wird die Bank Typ-K-Zahlungen aktiv ablehnen. Wenn du dann noch QR-Rechnungen mit kombinierter Adresse verschickst, läuft dein Mahnwesen schief, weil Zahlungen schlicht nicht ankommen.
Was du als Handwerker jetzt prüfen solltest
Die gute Nachricht: Wenn du eine aktuelle Software verwendest, ist die Umstellung in der Regel bereits durch ein Update erledigt worden. Die schlechte Nachricht: Wenn du mit Excel-Vorlagen, alten ERP-Versionen oder manuell aufgesetzten PDF-Generatoren arbeitest, musst du selbst handeln.
Schritt 1: Prüfe dein Rechnungstool
Öffne eine beliebige Rechnung aus den letzten Monaten und schau dir den QR-Code an. Decode ihn mit einer QR-Reader-App oder im SIX Validation Portal. Im Klartext siehst du hinter dem Adressblock entweder ein „S“ (strukturiert) oder ein „K“ (kombiniert). Steht dort ein K, ist deine Software seit November 2025 nicht mehr aktuell.
Schritt 2: Software-Anbieter kontaktieren oder Update einspielen
Frag bei deinem Anbieter nach, wann ein Update kommt, das Typ S liefert. Seriöse Anbieter haben das längst ausgeliefert. Wenn dein Anbieter ausweichend antwortet oder sich auf „nächstes Quartal“ herausredet, hast du dein Antwort.
Schritt 3: Kundenstammdaten kontrollieren
Strukturierte Adressen erfordern sauber getrennte Felder. Wenn du in deinem System die komplette Adresse in ein einziges Freitextfeld schreibst, kann die Software die Daten nicht automatisch in Strasse, Hausnummer, PLZ und Ort aufteilen. Bereinige deine Kundenstammdaten jetzt, nicht im September.
Sonderfälle, die Handwerker betreffen
Postfachadressen
Einige Kunden haben Postfachadressen. Im strukturierten Format gibt es dafür kein eigenes Feld. Die SIX empfiehlt, in solchen Fällen die Strassenadresse zu verwenden und das Postfach im Feld für zusätzliche Informationen zu hinterlegen. Heisst praktisch: Du brauchst von solchen Kunden eine physische Strasse.
Ausländische Kunden
Für Kunden ausserhalb der Schweiz und Liechtenstein gilt das Länderfeld zwingend. Bei Schweizer Adressen ist „CH“ Standard, aber wenn du für einen deutschen Auftraggeber arbeitest, muss dort „DE“ stehen. Sonst wird die Adresse als ungültig markiert.
Lange Firmennamen
Das Namensfeld in Typ S erlaubt maximal 70 Zeichen. Das klingt nach viel, aber Firmennamen wie „Müller und Söhne Sanitär- und Heizungsinstallationen GmbH“ kommen schnell an die Grenze. Prüfe, ob dein eigener Firmenname passt, und kürze wenn nötig die Rechtsform ab („GmbH“ statt „Gesellschaft mit beschränkter Haftung“).
Was passiert, wenn du nichts tust?
Ab dem 1. Oktober 2026 werden QR-Rechnungen mit Typ-K-Adresse von Schweizer Finanzinstituten nicht mehr verarbeitet. Konkret heisst das:
- Kunden können nicht per E-Banking bezahlen, weil die Bank den QR-Code ablehnt.
- Zahlungen am Postschalter werden zurückgewiesen.
- Du erhältst keine camt.054-Meldungen mehr für diese Zahlungen.
- Dein Mahnwesen gerät durcheinander, weil offene Posten nicht zugeordnet werden können.
Das Resultat: Zahlungsverzögerungen, Mehraufwand im Büro, verärgerte Kunden, die denken, sie hätten bezahlt. Bei einem Betrieb mit 50 offenen Rechnungen im Monat ist das innerhalb einer Woche ein echtes Problem.
Wie balio die Umstellung handhabt
In balio sind QR-Rechnungen seit Launch im strukturierten Format (Typ S). Wenn du balio nutzt, musst du dazu nichts tun. Deine Kundenadressen werden beim Import in einzelne Felder aufgeteilt, und bei der manuellen Erfassung sind die Felder ohnehin getrennt (Strasse, Nummer, PLZ, Ort).
Falls du von einem anderen System zu balio wechselst und Kundendaten im Freitextformat mitbringst, schlägt der Import-Assistent eine Zerlegung in die einzelnen Felder vor. Du prüfst einmal kurz, bestätigst, fertig.
Checkliste für die Umstellung
- Eigene Software prüfen: Wird Typ S unterstützt? Falls nein, Update beim Anbieter anfordern.
- Eigene Firmenadresse kontrollieren: Name, Strasse, Hausnummer, PLZ, Ort sauber getrennt?
- Kundenstammdaten bereinigen: Freitextadressen in strukturierte Felder überführen.
- Testrechnung erstellen und im SIX Validation Portal prüfen.
- Bank kontaktieren und fragen, wie lange Typ K übergangsweise noch verarbeitet wird.
- Deadline im Kalender: 30. September 2026.
Die Umstellung auf strukturierte Adressen ist keine Revolution, sondern Detailarbeit. Der Stichtag für die Erstellung ist seit November 2025 gesetzt. Die Übergangsfrist für die Bezahlung läuft Ende September 2026 aus. Wer das jetzt erledigt, hat ab Oktober Ruhe. Wer wartet, hat im vierten Quartal Stress.
Weiterführende Artikel: